Die Vertriebs-Illusion: Warum du mit den falschen KPIs dein Team gegen die Wand fährst
- Beat Jenny
- 6. Mai
- 3 Min. Lesezeit

Es ist Montagmorgen, 08:00 Uhr. Sales-Meeting. Der Verkaufsleiter steht vor dem Dashboard und zeigt auf die wichtigste Zahl der Woche: "Leute, der Umsatz im letzten Monat war 15 % unter Budget. Wir müssen mehr Gas geben! Mehr Termine, mehr Abschlüsse!"
Das Team nickt brav, geht zurück an die Telefone und macht... genau das Gleiche wie vorher. Nur mit etwas mehr Stress.
Kommt dir das bekannt vor?
Dann bist du Opfer der grössten Illusion im modernen Vertriebsmanagement geworden: Du versuchst, dein Team mit einer Zahl zu steuern, die sich gar nicht steuern lässt. Du misst das Ergebnis, aber du ignorierst den Weg dorthin.
Das Problem mit dem Umsatz als KPI
Umsatz, Gewinnmarge und abgeschlossene Verträge sind zweifellos wichtig. Sie sind der Lebensnerv jedes Unternehmens. Aber aus Sicht der Vertriebssteuerung haben sie einen massiven Fehler: Sie sind sogenannte Lagging Indicators (nachlaufende Indikatoren).
Ein Lagging Indicator sagt dir, was in der Vergangenheit passiert ist. Wenn der Umsatz am Ende des Monats nicht stimmt, ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen.
Du kannst den Umsatz von gestern heute nicht mehr ändern. Es ist, als würdest du beim Autofahren nur in den Rückspiegel schauen und dich wundern, warum du gegen den Baum fährst.
Wenn du dein Team ausschliesslich über Umsatzziele führst, erzeugst du zwei toxische Effekte:
1. Du förderst "Fake-Produktivität"
Wenn der Druck auf den Umsatz steigt, aber der Weg dorthin unklar ist, fangen Verkäufer an, das System auszutricksen. Sie tragen irrelevante Termine ins CRM ein, um Aktivität vorzutäuschen. Sie jagen "toten" Leads hinterher, nur um die Pipeline künstlich aufzublähen. Das Dashboard sieht plötzlich wieder grün aus, aber der echte Ertrag bleibt aus.
2. Du demotivierst deine besten Leute
Stell dir vor, ein Verkäufer hat einen brillanten Monat: Er hat drei strategisch extrem wichtige Neukunden akquiriert, die in den nächsten Jahren massiven Umsatz bringen werden. Aber weil die Vertragsunterzeichnung erst im nächsten Quartal stattfindet, verfehlt er sein aktuelles Monatsziel. Wenn du ihn jetzt nur nach dem kurzfristigen Umsatz bewertest, bestrafst du genau das Verhalten, das dein Unternehmen langfristig erfolgreich macht.
Du kannst deine Leute nicht motivieren, schau, dass du diese nicht demotivierst. Im Training "Teamentwicklung" schauen wir uns das genau im Detail an.
Der Unterschied zwischen Messen und Steuern
Ein gutes Dashboard zeigt dir nicht nur, dass die Zahlen sinken, sondern warum. Wenn die Konversionsrate einbricht, liegt das an der Qualität der Leads? An der Argumentation im Erstgespräch? Oder daran, dass Angebote zu spät verschickt werden?
Umsatz ist das Ergebnis einer mathematischen Gleichung im Sales Funnel. Wenn du das Ergebnis verändern willst, musst du die Variablen in der Gleichung verändern. Du musst aufhören, auf das Ende des Funnels zu starren, und anfangen zu messen, was oben und in der Mitte passiert.
Du brauchst Leading Indicators (vorlaufende Indikatoren). Das sind die Kennzahlen, die das zukünftige Ergebnis vorhersagen und die dein Team heute aktiv beeinflussen kann.
Fazit: Schau durch die Windschutzscheibe
Ein Verkaufsleiter, der nur über Umsatz spricht, ist wie ein Fussballtrainer, der in der Halbzeitpause nur auf die Anzeigetafel zeigt und ruft: "Wir müssen mehr Tore schiessen!"
Das weiss die Mannschaft selbst. Ein guter Trainer analysiert die Zweikampfquote, die Passgenauigkeit und die Laufwege, denn das sind die Faktoren, die am Ende zu Toren führen.
Hör auf, dein Team mit Lagging Indicators zu frustrieren. Fang an, die echten Hebel im Vertrieb zu steuern.
"Umsatz ist der Applaus deiner Kunden. Er ist das schöne Ergebnis einer guten Vorstellung, aber du kannst ihn nicht erzwingen. Du kannst nur an deiner Vorstellung arbeiten." – Beat Jenny
Welche KPIs du stattdessen messen solltest und wie du deinen Sales Funnel wirklich unter Kontrolle bringst, erfährst du im nächsten Artikel: [Die richtigen KPIs im Sales Funnel – was wirklich zählt].
Bleib neugierig.
Beat



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