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Selbstmanagement: Warum Prioritäten setzen beim "Nein" sagen beginnt

Selbstmanagement: Prioritäten setzen und Nein sagen lernen

"Das ist alles Prio 1!"


Wenn du diesen Satz in deinem Team oder von deinem Vorgesetzten hörst, weisst du: Hier läuft etwas gewaltig schief. Wenn alles wichtig ist, ist nichts wichtig.


In vielen Schweizer KMU herrscht eine Kultur der ständigen Erreichbarkeit und des "schnell noch Erledigens". Die Folge? Führungskräfte und Mitarbeitende rotieren im Hamsterrad, arbeiten 10 Stunden am Tag und haben abends trotzdem das Gefühl, nichts von Wert geschafft zu haben.


Laut dem Barometer Gute Arbeit (2025) ist Überlastung für über 42 Prozent der Schweizer Arbeitnehmenden keine Ausnahme mehr, sondern Alltag .


Der Schlüssel aus dieser Falle heisst nicht besseres Zeitmanagement, sondern radikales Selbstmanagement.


Und das beginnt mit der unangenehmsten Aufgabe für viele Führungskräfte: Dem Setzen von echten Prioritäten.


In diesem Artikel zeige ich dir, warum Prioritäten setzen wehtut, wie du die ABC-Analyse für dich nutzt und warum ein klares "Nein" dein wichtigstes Führungsinstrument ist.


Die Illusion des Multitaskings

Wir glauben gerne, wir könnten E-Mails beantworten, dem Kollegen zuhören und gleichzeitig an der Strategie feilen. Die Neurowissenschaft ist da anderer Meinung: Multitasking existiert nicht. Unser Gehirn wechselt lediglich rasend schnell zwischen den Aufgaben hin und her.


Jeder dieser Wechsel kostet Energie und Zeit. Am Ende des Tages bist du erschöpft, hast aber keine deiner Aufgaben mit der nötigen Tiefe erledigt.


Echtes Selbstmanagement bedeutet Single-Tasking: Eine Aufgabe, voller Fokus, bis sie abgeschlossen ist.

"Prioritäten setzen bedeutet nicht, eine lange To-do-Liste abzuarbeiten. Es bedeutet, die Liste so weit zusammenzustreichen, bis nur noch das übrig bleibt, was wirklich zählt. Wer das nicht kann, wird von den Prioritäten anderer gesteuert." – Beat Jenny

Prioritäten setzen mit der ABC-Analyse

Um aus dem Reaktionsmodus herauszukommen, musst du deine Aufgaben klassifizieren. Die ABC-Analyse ist ein bewährtes Instrument, um den Wert deiner Aufgaben zu bestimmen.


A-Aufgaben (Sehr wichtig, hoher Wert)

Das sind die Aufgaben, die dich und dein Unternehmen wirklich voranbringen. Sie machen oft nur 15 Prozent deiner Zeit aus, bringen aber 65 Prozent des Wertes.


Beispiele: Strategieentwicklung, wichtige Kundenverhandlungen, Mitarbeitergespräche, Konfliktlösung. Regel: Diese Aufgaben erledigst du selbst, in deiner produktivsten Zeit (meistens morgens).


B-Aufgaben (Durchschnittlich wichtig)

Diese Aufgaben machen etwa 20 Prozent deiner Zeit aus und bringen 20 Prozent des Wertes. Sie sind wichtig, aber nicht zwingend von dir persönlich abhängig.


Beispiele: Routine-Meetings, Berichte erstellen, Standard-Kundenanfragen.

Regel: Diese Aufgaben delegierst du an dein Team oder erledigst sie in Blöcken, wenn deine Energiekurve sinkt.


C-Aufgaben (Wenig wichtig, geringer Wert)

Das ist das klassische Tagesgeschäft. Es füllt 65 Prozent deiner Zeit, bringt aber nur 15 Prozent des Wertes.


Beispiele: Ablage, endlose E-Mail-Verteiler, administrative Fleissarbeit.

Regel: Radikal reduzieren, automatisieren, delegieren oder in den Papierkorb verschieben.

In unseren Führungstrainings erleben wir oft den "Aha-Moment", wenn Führungskräfte erkennen, wie viel Zeit sie täglich mit C-Aufgaben verschwenden, während die A-Aufgaben liegen bleiben.


Die Kunst des "Nein" Sagens

Die beste ABC-Analyse nützt dir nichts, wenn du nicht lernst, "Nein" zu sagen. Jedes "Ja" zu einer neuen, unwichtigen Aufgabe ist automatisch ein "Nein" zu deinen A-Prioritäten.


Als Führungskraft willst du hilfsbereit sein. Du willst Probleme lösen. Doch wenn du jedem Affen, der dir auf die Schulter gesetzt wird, Asyl gewährst, bist du bald der Zoodirektor für die Probleme anderer.


Wie du professionell "Nein" sagst:


1.Das "Nein" zur Aufgabe, nicht zur Person: "Ich verstehe, dass das wichtig ist, aber meine Priorität liegt diese Woche auf Projekt X. Ich kann das frühestens nächste Woche übernehmen."


2.Die Prioritäten-Frage: Wenn dein Chef dir eine neue "Prio 1" gibt, frage: "Gerne. Welche meiner aktuellen A-Aufgaben soll ich dafür zurückstellen?"


3.Das "Ja, wenn..."-Prinzip: "Ja, ich helfe dir bei der Präsentation, wenn du mir im Gegenzug die Datenrecherche abnimmst."


Fazit

Selbstmanagement ist kein Talent, das man hat oder nicht hat. Es ist eine Entscheidung. Die Entscheidung, nicht mehr das Opfer des vollen Posteingangs zu sein, sondern der Gestalter des eigenen Tages.


Prioritäten setzen tut weh, weil es bedeutet, sich gegen gute Ideen zu entscheiden, um Platz für die grossartigen zu machen. Wer diesen Schmerz aushält und konsequent "Nein" sagt, gewinnt nicht nur Zeit, sondern auch den Respekt seines Teams.


Bleib neugierig.

Beat



Häufig gestellte Fragen (FAQ) zum Selbstmanagement


Warum fällt es uns so schwer, Prioritäten zu setzen?

Weil Prioritäten setzen bedeutet, Entscheidungen zu treffen und andere Dinge bewusst liegen zu lassen (FOMO - Fear Of Missing Out). Es erfordert Mut, sich auf wenige, wichtige Aufgaben zu fokussieren und den Rest zu delegieren oder abzulehnen.


Wie unterscheide ich A- von B-Aufgaben?

Frage dich: "Was passiert, wenn ich diese Aufgabe heute nicht erledige?" Wenn die Konsequenzen für den Unternehmenserfolg oder dein Team gravierend sind, ist es eine A-Aufgabe. Wenn es nur unangenehm ist, aber keine strategischen Auswirkungen hat, ist es eine B- oder C-Aufgabe.


Wie sage ich "Nein" zu meinem Vorgesetzten?

Indem du Transparenz schaffst. Zeige deine aktuelle Auslastung mit A-Aufgaben auf und bitte deinen Vorgesetzten, die Priorisierung der neuen Aufgabe im Verhältnis zu den bestehenden vorzunehmen. So triffst du die Entscheidung gemeinsam.


Ist Multitasking wirklich so ineffizient?

Ja. Studien zeigen, dass Task-Switching (der ständige Wechsel zwischen Aufgaben) die Produktivität um bis zu 40 Prozent senken kann und die Fehlerquote massiv erhöht. Echtes Selbstmanagement setzt auf Single-Tasking und Fokus-Zeiten.


 
 
 
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