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Schwierige Mitarbeitergespräche führen: Der Leitfaden für Führungskräfte

Schwierige Mitarbeitergespräche führen: Leitfaden für Chefs

Die Angst vor dem Konflikt

Es ist der Termin im Kalender, den jede Führungskraft am liebsten verschieben würde. Ein Mitarbeiter bringt seit Wochen nicht die geforderte Leistung. Oder es gibt ständige Reibereien im Team, die von einer bestimmten Person ausgehen.


Du weisst, du musst das Gespräch suchen. Aber du zögerst.


Du hoffst, dass sich das Problem von alleine löst. Das tut es selten. Im Gegenteil: Wer schwierige Gespräche aufschiebt, toleriert stillschweigend ein Verhalten, das am Ende das ganze Team demotiviert.


Vorbereitung ist achtzig Prozent des Erfolgs

Ein schwieriges Gespräch scheitert selten an den Argumenten, sondern fast immer an der mangelnden Vorbereitung und den hochkochenden Emotionen.


Wenn du unvorbereitet in ein Kritikgespräch gehst, landest du sofort in einer Verteidigungshaltung des Mitarbeiters.


Sammle im Vorfeld konkrete Fakten. Vermeide Verallgemeinerungen wie «Du bist in letzter Zeit immer so unzuverlässig». Das ist ein Angriff, auf den nur ein Gegenangriff folgen kann.


Notiere dir stattdessen spezifische Situationen: «In den letzten drei Wochen hast du die Verkaufsberichte zweimal zu spät und einmal gar nicht abgegeben.»


Fakten sind nicht verhandelbar. Emotionen schon - Beat Jenny, Trainer & Inhaber Trepos AG

Die Struktur des Mitarbeitergesprächs

Ein erfolgreiches Kritikgespräch folgt einer klaren Dramaturgie. Wenn du diese Struktur einhältst, nimmst du dem Gespräch die Schärfe und lenkst es auf eine konstruktive Lösung.


1. Der direkte Einstieg

Komm sofort zur Sache. Kein Smalltalk über das Wetter, keine langen Einleitungen. Das macht den Mitarbeiter nur nervös, weil er spürt, dass etwas in der Luft liegt. Sag klar, worum es geht: «Ich habe dich heute gebeten zu kommen, weil wir über deine Zahlen im letzten Quartal sprechen müssen. Sie liegen deutlich unter den Erwartungen.»


2. Die Sichtweise des Mitarbeiters einholen

Nachdem du die Fakten auf den Tisch gelegt hast, musst du schweigen. Gib dem Mitarbeiter die Chance, seine Sicht der Dinge zu schildern. Frage ihn: «Wie siehst du diese Situation?»


Oft erfährst du hier Dinge, die dir nicht bewusst waren. Vielleicht gibt es private Probleme, technische Hürden oder Unklarheiten in den Prozessen. Höre aktiv zu, ohne sofort zu werten.


3. Die gemeinsame Lösungssuche

Wenn beide Sichtweisen auf dem Tisch liegen, geht es an die Lösung. Vermeide es, dem Mitarbeiter einfach eine Massnahme zu diktieren.


Wer eine Lösung selbst erarbeitet, setzt sie viel eher um. Frage ihn: «Was brauchst du, um diese Berichte künftig pünktlich abzuliefern?» oder «Wie können wir sicherstellen, dass die Zahlen im nächsten Monat wieder stimmen?»


4. Verbindlichkeit schaffen

Das Gespräch darf nicht im Vagen enden. Fasse am Schluss zusammen, was ihr konkret vereinbart habt. Wer macht was bis wann? Und ganz wichtig: Vereinbare sofort einen Folgetermin, um die Fortschritte zu überprüfen. Ein Kritikgespräch ohne Follow-up ist wertlos.


Wenn es emotional wird

Menschen reagieren auf Kritik unterschiedlich. Manche werden wütend, andere fangen an zu weinen, wieder andere mauern und sagen gar nichts mehr.


Deine Aufgabe als Führungskraft ist es, in diesen Momenten ruhig zu bleiben. Lass die Emotion zu. Reiche ein Taschentuch oder halte die Stille aus. Versuche nicht, die Emotion wegzudiskutieren.


Wenn die Wogen zu hoch kochen, unterbrich das Gespräch für zehn Minuten. Danach könnt ihr auf der Sachebene weiterarbeiten.


Fazit

Schwierige Gespräche gehören zum Job einer Führungskraft. Sie sind unangenehm, aber sie sind auch die grösste Chance für Wachstum. Ein fair und klar geführtes Kritikgespräch zeigt dem Mitarbeiter, dass du dich für ihn interessierst und ihn weiterbringen willst. Wer diese Gespräche meistert, gewinnt den Respekt seines Teams. Hier gibt es mehr dazu: https://www.trepos.ch/kritik-und-mitarbeitergespr%C3%A4che



FAQ


Soll ich bei einem schwierigen Gespräch eine dritte Person dazuholen?

In der Regel nicht. Ein Vier-Augen-Gespräch schafft Vertrauen und schützt das Gesicht des Mitarbeiters. Eine dritte Person (zum Beispiel aus der HR-Abteilung) solltest du nur dazuholen, wenn es um arbeitsrechtliche Konsequenzen wie eine Abmahnung oder Kündigung geht, oder wenn du Angst vor einer massiven Eskalation hast.


Wie gehe ich mit einem Mitarbeiter um, der alle Schuld von sich weist?

Bleibe bei den Fakten. Wenn der Mitarbeiter sagt «Das war nicht meine Schuld, das Marketing hat schlechte Leads geliefert», dann antworte: «Ich verstehe, dass die Leads schwierig waren. Aber mir geht es darum, wie du mit diesen Leads umgegangen bist. Lass uns anschauen, was in deinem Einflussbereich liegt.»


Muss ich jedes Kritikgespräch schriftlich festhalten?

Es empfiehlt sich, nach dem Gespräch eine kurze E-Mail an den Mitarbeiter zu senden, in der die vereinbarten Punkte zusammengefasst sind. Das schafft Klarheit und Verbindlichkeit. Bei wiederholten Leistungsproblemen ist eine schriftliche Dokumentation zwingend notwendig, falls später arbeitsrechtliche Schritte folgen müssen.


Was mache ich, wenn der Mitarbeiter im Gespräch mit Kündigung droht?

Bleibe ruhig und lass dich nicht erpressen. Antworte sachlich: «Es ist schade, dass du das so siehst. Mein Ziel ist es, dass wir hier eine Lösung finden und weiter zusammenarbeiten. Wenn du aber für dich entscheidest, dass das nicht mehr passt, muss ich das akzeptieren.»


Wie lange sollte ein schwieriges Gespräch dauern?

Plane genügend Zeit ein, idealerweise eine Stunde. Das Gespräch selbst dauert oft nur dreissig bis vierzig Minuten, aber du brauchst Puffer für emotionale Reaktionen. Führe solche Gespräche niemals zwischen Tür und Angel oder kurz vor dem Feierabend.

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