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Gewohnheiten im Verkauf: Warum Disziplin überbewertet wird

Gewohnheiten Verkauf: Routinen für Top-Verkäufer

Die Lüge von der eisernen Disziplin

Wir bewundern Top-Verkäufer oft für ihre unglaubliche Disziplin. Wir denken: «Wow, der hat die Disziplin, jeden Morgen um acht Uhr fünfzig Kaltakquise-Anrufe zu machen. Ich könnte das nicht.»


Die Wahrheit ist: Dieser Top-Verkäufer hat wahrscheinlich nicht mehr Disziplin als du. Er hat einfach bessere Gewohnheiten.


Disziplin und Willenskraft sind wie ein Muskel. Sie ermüden im Laufe des Tages. Wenn du dich jeden Morgen neu überwinden musst, um zum Hörer zu greifen, wirst du diesen Kampf an schlechten Tagen verlieren.


Wenn die Kaltakquise aber eine feste Gewohnheit ist – wie das Zähneputzen –, kostet sie keine Willenskraft mehr. Du machst es einfach.


Wie Gewohnheiten im Gehirn funktionieren

Eine Gewohnheit (Routine) ist eine neurologische Abkürzung. Das Gehirn liebt Gewohnheiten, weil sie Energie sparen. Jede Gewohnheit besteht aus drei Elementen:


1.Der Auslöser (Trigger): Zum Beispiel die Uhrzeit (08:00 Uhr) oder eine Handlung (Kaffee auf den Schreibtisch stellen).


2.Die Routine (Action): Das eigentliche Verhalten ( Anrufe machen).


3.Die Belohnung (Reward): Das gute Gefühl danach (ein Termin gebucht oder einfach das Abhaken auf der To-do-Liste).


Wenn du im Verkauf erfolgreich sein willst, musst du aufhören, dich auf deine Motivation zu verlassen, und anfangen, dieses dreiteilige System für dich zu nutzen.


Die 3 wichtigsten Gewohnheiten für Verkäufer


1. Die Golden Hour (Akquise-Routine)

Die wichtigste Gewohnheit im Vertrieb ist die kontinuierliche Leadgenerierung. Blockiere dir jeden Tag die erste Stunde im Büro (die Golden Hour) ausschliesslich für die Akquise.

• Auslöser: Du startest deinen Laptop.

• Routine: Du öffnest nicht das E-Mail-Programm. Du öffnest das CRM und rufst die ersten zehn Leads an.

• Belohnung: Du trinkst deinen ersten Kaffee erst, wenn die zehn Anrufe gemacht sind.


2. Die 15-Minuten-Vorbereitung (Meeting-Routine)

Durchschnittliche Verkäufer gehen unvorbereitet in Kundentermine und verlassen sich auf ihre Improvisationskunst. Top-Verkäufer haben eine eiserne Vorbereitungsroutine.

• Auslöser: Fünfzehn Minuten vor jedem Kundentermin.

• Routine: Du prüfst die Website des Kunden, liest die letzten CRM-Notizen und schreibst dir drei konkrete offene Fragen auf, die du stellen willst.

• Belohnung: Du gehst mit extremer Sicherheit und Souveränität in das Gespräch.


3. Das Daily Debrief (Abschluss-Routine)

Nimm die Arbeit nicht mit nach Hause. Schliesse den Tag bewusst ab.



• Auslöser: Fünfzehn Minuten vor Feierabend.

• Routine: Du trägst alle Notizen sauber ins CRM ein, beantwortest die letzten dringenden E-Mails und schreibst dir die drei wichtigsten Aufgaben (Eat the Frog) für den nächsten Morgen auf einen Zettel.

• Belohnung: Du klappst den Laptop zu und hast den Kopf völlig frei für deinen Feierabend.


Wie du neue Gewohnheiten aufbaust

Der grösste Fehler beim Aufbau neuer Gewohnheiten ist, dass wir zu viel auf einmal wollen. «Ab morgen mache ich jeden Tag zwei Stunden Kaltakquise, trinke keinen Alkohol mehr und gehe jeden Abend joggen.» Das Gehirn rebelliert gegen diese massive Veränderung.


Starte extrem klein (Micro-Habits). Wenn du dir angewöhnen willst, mehr Kaltakquise zu machen, setze dir nicht das Ziel von fünfzig Anrufen. Setze dir das Ziel: «Ich rufe jeden Morgen nach dem Starten des Laptops genau einen einzigen Kunden an.» Einen Anruf schaffst du immer, auch an schlechten Tagen.


Wenn du diesen einen Anruf gemacht hast, machst du oft automatisch noch einen zweiten oder dritten. Das Wichtige ist, die Hürde für den Start so niedrig wie möglich zu setzen.



Fazit

Motivation bringt dich an den Start. Gewohnheiten bringen dich ans Ziel. Wenn du deinen Vertriebserfolg von deiner Tagesform abhängig machst, wirst du immer mittelmässig bleiben. Baue dir eiserne Routinen auf, und der Erfolg wird zum automatischen Nebenprodukt deines Alltags.


Bleib neugierig. Beat | b.jenny©trepos.ch | 079 525 82 15



FAQ


Wie lange dauert es, bis eine neue Handlung zur Gewohnheit wird?

Die oft zitierten 21 Tage sind ein Mythos. Neuere Studien zeigen, dass es im Durchschnitt 66 Tage dauert, bis eine neue komplexe Handlung (wie tägliche Kaltakquise) im Gehirn so stark verankert ist, dass sie keine Willenskraft mehr kostet. Du brauchst also am Anfang etwa zwei Monate lang Durchhaltevermögen.


Was mache ich, wenn ich meine Routine an einem Tag unterbreche?

Keine Panik. Ein einzelner Ausfall zerstört die Gewohnheit nicht. Die wichtigste Regel lautet: Verpasse nie zwei Tage in Folge (Never miss twice). Wenn du am Dienstag keine Zeit für die Akquise-Routine hattest, ist das okay. Aber am Mittwoch musst du sie zwingend wieder durchführen, sonst beginnt die Gewohnheit zu bröckeln.


Wie kann ich schlechte Gewohnheiten (z.B. ständiges E-Mail-Checken) ablegen?

Eine schlechte Gewohnheit kann man kaum einfach «löschen». Man muss sie durch eine bessere ersetzen. Wenn dein Auslöser für das E-Mail-Checken Langeweile oder eine schwierige Aufgabe ist, ändere die Routine. Wenn der Impuls kommt, das Postfach zu öffnen, steh stattdessen auf und hol dir ein Glas Wasser. Zudem hilft es, den Auslöser zu erschweren: Schalte alle E-Mail-Benachrichtigungen (Pop-ups, Töne) konsequent aus.


Sollte das ganze Verkaufsteam die gleichen Gewohnheiten haben?

Die Kern-Routinen (wie die tägliche Akquise-Zeit oder die saubere CRM-Pflege) sollten für alle verbindlich sein. Wie der einzelne Verkäufer seine persönliche Vorbereitungs- oder Abschlussroutine gestaltet, sollte ihm überlassen bleiben. Jeder Mensch tickt anders.


Wie helfen Gewohnheiten gegen Stress im Verkauf?

Gewohnheiten reduzieren die Anzahl der Entscheidungen, die du am Tag treffen musst (Decision Fatigue). Wenn du morgens nicht überlegen musst, was du als Erstes tust, weil deine Routine es dir vorgibt, sparst du massive mentale Energie. Diese Energie steht dir dann in den wirklich wichtigen Momenten (z.B. in der Preisverhandlung) zur Verfügung.

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