Die richtigen Mitarbeitenden finden: Einstellen nach Haltung, nicht nur nach Lebenslauf
- Beat Jenny
- vor 11 Minuten
- 5 Min. Lesezeit

Der perfekte Lebenslauf reicht nicht
Ein sauberer Lebenslauf, starke Referenzen und genau die richtige Erfahrung. Im Gespräch wirkt die Person freundlich und vorbereitet. Drei Monate später merkst du: Fachlich wäre alles da. Im Team passt es nicht. Verantwortung wird abgegeben, Feedback wird abgewehrt und die Zusammenarbeit kostet mehr Energie, als sie bringt.
Die falsche Einstellung ist selten ein Problem der Fachkompetenz. Es ist ein Problem der Passung. Du hast nach dem gesucht, was jemand gemacht hat, aber zu wenig danach gefragt, wie diese Person arbeitet, denkt und mit anderen umgeht.
Die richtigen Mitarbeitenden zu finden bedeutet deshalb mehr als eine offene Stelle schnell zu besetzen. Es bedeutet, zuerst Klarheit darüber zu schaffen, wen du wirklich brauchst und in welchem Umfeld diese Person erfolgreich sein kann.
Stelle nicht nur für eine Aufgabe ein
Viele Inserate beschreiben Aufgaben und Anforderungen. Gesucht wird eine Person mit Erfahrung, Eigeninitiative, Teamfähigkeit und guter Kommunikation. Das liest sich gut, sagt aber wenig.
Bevor du eine Stelle ausschreibst, beantworte drei Fragen. Welches konkrete Ergebnis soll diese Person ermöglichen? Welche Haltung braucht es, um in unserem Team erfolgreich zu sein? Und was bieten wir dieser Person ausser einer Aufgabe?
Wenn du diese Fragen nicht klar beantworten kannst, wird auch deine Suche unscharf. Dann ziehst du viele Bewerbungen an, aber nicht zwingend die passenden Menschen.
1. Definiere zuerst das Umfeld, nicht nur das Profil
Ein Mensch kann in einem Unternehmen hervorragend funktionieren und in einem anderen scheitern. Nicht, weil er plötzlich weniger kann, sondern weil die Erwartungen, die Kultur oder die Führung nicht passen.
Beschreibe deshalb ehrlich, wie bei euch gearbeitet wird. Wie schnell werden Entscheidungen getroffen? Wie viel Eigenverantwortung wird erwartet? Wie direkt ist die Kommunikation? Wie geht ihr mit Fehlern um? Was fordert die Rolle wirklich?
Schönreden bringt nichts. Wenn du ein anspruchsvolles Umfeld hast, benenne es. Die richtigen Menschen suchen nicht den einfachsten Job. Sie suchen einen Ort, an dem sie Wirkung erzielen und sich entwickeln können.
2. Suche nach Haltung und Lernbereitschaft
Fachwissen lässt sich erweitern. Haltung ist deutlich schwieriger zu verändern. Achte deshalb im Auswahlgespräch darauf, wie jemand über frühere Arbeitgeber, Fehler, Konflikte und Verantwortung spricht.
Frage zum Beispiel: Erzähle mir von einer Situation, in der etwas nicht geklappt hat. Was war dein Anteil daran und was hast du daraus gelernt?
Eine starke Antwort klingt nicht perfekt. Sie klingt ehrlich. Die Person übernimmt Verantwortung, reflektiert das eigene Verhalten und kann sagen, was sie beim nächsten Mal anders machen würde.
Sei aufmerksam, wenn jemand für jede Schwierigkeit nur andere verantwortlich macht. Das ist kein endgültiges Urteil. Es ist aber ein Signal, genauer hinzuschauen.
3. Führe Auswahlgespräche als echtes Kennenlernen
Ein Bewerbungsgespräch ist keine Prüfung, bei der du die richtigen Antworten suchst. Es ist ein Gespräch, in dem beide Seiten herausfinden, ob die Zusammenarbeit Sinn macht.
Erzähle deshalb auch von den Herausforderungen. Sage nicht nur, was an der Stelle attraktiv ist. Sprich über die Ziele, die schwierigen Situationen und die Erwartungen an die Zusammenarbeit.
Frage die Person, wie sie damit umgehen würde. Höre nicht nur auf den Inhalt. Achte auch darauf, ob Fragen zurückkommen. Gute Kandidatinnen und Kandidaten wollen verstehen, worauf sie sich einlassen.
4. Lass Menschen einen Einblick in die Realität erhalten
Ein Gespräch allein reicht selten, um herauszufinden, ob es wirklich passt. Gib geeigneten Kandidaten die Möglichkeit, das Team, den Arbeitsplatz oder typische Aufgaben kennenzulernen.
Das kann ein Austausch mit künftigen Kolleginnen und Kollegen sein. Es kann eine kleine Praxisaufgabe sein. Oder ein gemeinsames Gespräch über einen echten Fall aus dem Alltag.
Damit prüfst du nicht nur die Person. Die Person prüft auch euch. Das ist gut. Je klarer beide Seiten die Realität sehen, desto geringer ist die Gefahr einer Fehlbesetzung.
5. Beziehe das Team sinnvoll ein
Dein Team muss nicht über jede Einstellung abstimmen. Es sollte aber die Chance haben, künftige Kolleginnen und Kollegen kennenzulernen und Beobachtungen einzubringen.
Achte darauf, dass daraus kein Beliebtheitswettbewerb wird. Frage das Team nicht: Mögt ihr diese Person? Frage: Wie erlebt ihr die Kommunikation? Welche Fragen wurden gestellt? Passt die erwartete Arbeitsweise zu unserem Alltag?
So nutzt du die Erfahrung deines Teams, ohne deine Verantwortung als Führungskraft abzugeben.
6. Beginne die Bindung vor dem ersten Arbeitstag
Gute Mitarbeitende zu finden ist nur der erste Schritt. Danach beginnt die Aufgabe, sie gut an Bord zu holen. Viele Unternehmen investieren viel Zeit in die Auswahl und überlassen den Start dann dem Zufall.
Bleib nach der Zusage in Kontakt. Kläre früh, was am ersten Tag passiert. Bereite den Arbeitsplatz vor. Informiere das Team. Definiere die ersten Ziele und vereinbare regelmässige Gespräche für die ersten Wochen.
Ein guter Start vermittelt: Wir haben dich bewusst ausgewählt und freuen uns, dass du da bist. Das schafft Sicherheit und beschleunigt die Integration.
Wenn du Führungskräfte darin entwickeln willst, Auswahl, Einstieg und Teamintegration klarer zu gestalten, bietet das Führungstraining von Trepos konkrete Ansätze für euren Alltag.
Der beste Mitarbeitende ist nicht immer der lauteste
Im Gespräch überzeugen oft Menschen, die sich gut präsentieren können. Das ist hilfreich, besonders in Rollen mit Kundenkontakt. Es darf aber nicht das einzige Kriterium sein.
Manche starke Mitarbeitende sind zurückhaltender. Sie hören genau zu, stellen gute Fragen und liefern zuverlässig. Wenn du nur nach Selbstsicherheit und Schlagfertigkeit auswählst, übersiehst du möglicherweise genau die Person, die dein Team wirklich stärkt.
Achte auf Substanz. Wie konkret spricht jemand über Erfahrungen? Wie geht die Person mit Unklarheit um? Kann sie zuhören? Übernimmt sie Verantwortung? Das sind Fragen, die langfristig mehr zählen als eine perfekte Selbstdarstellung.
Häufige Fragen zur Mitarbeitergewinnung
Wie finde ich die richtigen Mitarbeitenden für mein Unternehmen?
Beginne mit Klarheit über die Rolle, die Arbeitsweise und die Kultur in deinem Unternehmen. Suche nicht nur nach Fachwissen, sondern auch nach Haltung, Lernbereitschaft und passender Kommunikation. Ein ehrlicher Auswahlprozess hilft beiden Seiten, die richtige Entscheidung zu treffen.
Worauf sollte ich im Bewerbungsgespräch achten?
Achte darauf, wie eine Person über Verantwortung, Fehler, Konflikte und frühere Zusammenarbeit spricht. Stelle offene Fragen zu konkreten Situationen und höre genau zu. Gute Kandidatinnen und Kandidaten reflektieren ihr Handeln, stellen eigene Fragen und wollen verstehen, was die Rolle wirklich verlangt.
Wie erkenne ich Eigenverantwortung bei Bewerbenden?
Frage nach schwierigen Situationen und nach dem eigenen Anteil am Ergebnis. Menschen mit Eigenverantwortung erklären nicht nur, was andere falsch gemacht haben. Sie können klar benennen, was sie selbst gelernt und beim nächsten Mal anders umgesetzt haben.
Soll ich das Team in die Auswahl einbeziehen?
Ja, wenn es sinnvoll strukturiert ist. Lass Teammitglieder geeignete Kandidatinnen und Kandidaten kennenlernen und frage nach konkreten Beobachtungen zur Zusammenarbeit und Kommunikation. Die finale Verantwortung für den Entscheid bleibt bei dir als Führungskraft.
Wie verhindere ich Fehlbesetzungen?
Verhindern lässt sich nicht jede Fehlbesetzung. Du kannst das Risiko aber stark reduzieren, indem du die Rolle ehrlich beschreibst, konkrete Situationen aus dem Arbeitsalltag besprichst, die Haltung prüfst und Kandidaten Einblick in das Team und die tatsächliche Arbeit gibst.
Fazit
Die richtigen Mitarbeitenden findest du nicht, indem du nach dem perfekten Lebenslauf suchst. Du findest sie, indem du klar beschreibst, was ihr braucht, ehrlich zeigst, wie ihr arbeitet, und im Gespräch nach Haltung, Verantwortung und Lernbereitschaft fragst. Wenn beide Seiten die Realität kennen, wird aus einer Einstellung viel eher eine Zusammenarbeit, die langfristig trägt.



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